Wallhäuuser Geschichte

von H.Riedel & K.Thieme

Unmittelbar an der B 80 gelegen befindet sich der Ort Wallhausen. Die Fläche der Ortschaft beträgt 15,57 km2. In der Gemeinde beginnt die K 298 Wallhausen — Hackpfüffel. Wallhausen liegt im ehemahligen Helme-Überschwemmungsgebiet der Goldenen Aue am Südrand des Harzes, westlich von Sangerhausen. Der Ort hat 1706 Einwohner.

Urkundlich erstmals erwähnt wurde Wallhausen im Jahr 908 als Walahusun, auch Walahuson, Walahusen=Haus des Wala. Hier heirateten 909 Heinrich und Mathilde, das spätere deutsche Könnigspaar und 912 wurde hier ihr Sohn Otto geboren, der später "der Große" genannt wird. über 40 Kaiserurkunden wurden in der Pfalz Wallhausen ausgestellt; von dieser königlichen und kaiserlichen Pfalz ist heute in dem Straßendorf nichts mehr zu sehen. 1030 erhält der Ort offiziell das Stadtrecht, um danach Bier brauen zu dürfen, Märkte abzuhalten und eine Stadtmauer errichten zu können. 1115 wird die Pfalz Wallhausen durch Herzog Lothar von Supplinburg nach der Schlacht am Welfesholz zerstïört und von ihm als Kaiser Lothar III. 1125 der Wiederaufbau befohlen, jedoch erst um 1150 realisiert. Das damit älteste Gebäude Wallhausens, das heutige Schloss, wird seit 1948 als Schule - heute Sekundarschule, mit 234 Schïülern genutzt. Um 1420 kaufen die Asseburger den Ort Wallhausen. Am 01.05.1525 predigt Martin Luther in der Ortskirche gegen Thomas Münzer: "Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reiïöende Wïölfe" (Matth.7.15)

1540 wird der Schieferhof errichtet, es ist das älteste noch vorhandene Wohngebäude im Ort. Im Jahre 1626 brach die Pest aus und bis 1681 fielen dieser Krankheit 1114 Personen zum Opfer, 1726 weitere 500 Menschen.

In Wallhausen gehïört die Stadtmauer zur Geschichte und zur Kultur. Sie wurde 1655 erstmals erwähnt.

Jedem Autofahrer, der sich auf der B 80 durch den Ort bewegt, wird das historische Gemäuer "vorgefïührt".

Der Ort schottet sich auf der einen Fahrbahnseite regelrecht gegen den Autolärm ab. Frïüher sorgte ein Graben an dieser Stelle für zusätzlichen Schutz vor Feinden und Angreifern. Heute zieht sich ein ununterbrochener Verkehrsfluß an dieser Stelle durch den "Flecken". Allerdings liegt die Straße ein gutes Stück erhöht, so daß die Stadtmauer nicht mehr allzu bedrohlich wirkt. Im späten Mittelalter muß das Befestigungswerk gut 2,5 Meter hoch gewesen sein.

Als geschichtliche Originalität ist die Einführung der Schildzeichen durch den Amtmann Amhoff zu erwähnen, der alle 165 vorhandenen Häuser mit einem besonderen Namen versieht. Dieses Register heißt: "Register, wie das Fleck Wallhausen in Anno 1670 nach der Ordnung bewohnet, nach dem Schildzeichen eingetheilet."

Letztmalig wurden 1958 zur 1050-Jahrfeier diese Schildzeichen angebracht.

In späteren Jahren war der Ort Garnisionsstadt, verlor 1831 das Stadtrecht und wurde Landgemeinde, weil es die preußische Städteordnung nicht annahm.

Mitte des 19. Jahrhunderts dominiert noch der Weinbau, danach erlangen die Kirschen immer mehr an Bedeutung. Im Jahr 1866 wird die Zuckerfabrik in Wallhausen gebaut und der Ort erhält einen Bahnhof, der an der Strecke Halle - Kassel liegt.

Durch Erlaß des Königlichen Landrates gründete man 1886 die Pflichtfeuerwehr in Wallhausen, welche 1934 in eine Freiwillige Feuerwehr umgewandelt wurde. Der bekannteste Einwohner war Max Trippenbach, seit 1896 Pfarrer im Ort und ein berühmter Heimatforscher.

Die Zuckerfabrik Wallhausen stellte 1912 ihre Produktion ein und aus der Fabrik wurde ein Steingutwerk, die heutige Sphinx GmbH, der größte Arbeitgeber im Ort.

Am 22. Februar 1945 wurde Wallhausen durch anglo-amerikansiche Bomber sinnlos zerstört. Viele Häuser und die Kirche lagen in Schutt und Asche, 62 Tote waren zu beklagen. Nach dem II. Weltkrieg begann der Wiederaufbau und 1957 erfolgt die Einweihung der neugebauten Kirche. Am 01.04.1973 schlossen sich die politischen Gemeinden Wallhausen und Hohlstedt zur Gemeinde Wallhausen zusammen, damit erhöhte sich die Katasterfläche auf 22,6 km2.

1986 wurde im Ort der althertümliche Wallhäuser Kram-Markt wieder eingeführt. Seither findet dieser jährlich statt - eine touristische Attraktion in der Gemeinde.

Nach der Wiedervereinigung 1990 haben in Wallhausen viele kleine Unternehmen den Schritt in die Selbständigkeit gewagt.

Durch aktive Vereine wird das kulturelle und sportliche Leben im Ort geprägt:   FFw Wallhausen
                                                                                                                        Kleingartenverein
                                                                                                                        Deutscher Anglerverband - Ortsgruppe Wallhausen
                                                                                                                        SV "Wacker Wallhausen"e.V.
                                                                                                                        Tennisclub 1996 e.V.
                                                                                                                        Wallhäuser Unternehmerverein
 

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